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Porträt aus der Günzburger Zeitung
Die Firma Klimmer erklimmt immer neue Höhen
Porträt Burgauer Unternehmen hat vergangenes Jahr 40 neue Mitarbeiter eingestellt. „Wir haben erfolgreiche Kunden. Mit denen wollen wir weiter wachsen.“
Burgau 200 Mitarbeiter – mehr sollten es nie werden, lautete das Ziel. Heute sind es fast 300. „Allein im vergangenen Jahr haben wir 40 neue Leute in der Fertigung eingestellt. Jetzt haben wir überwiegend Vollzeitkräfte“ berichtet Torsten Klimmer. Gemeinsam mit seinem Vater, dem Firmengründer Ernst Klimmer, führt er die Burgauer Firma Ernst Klimmer GmbH.
Das Unternehmen, das in der Stanz- und Umformtechnik tätig ist, brummt. „Uns geht es sehr gut“, sagt Torsten Klimmer. Seit 1993 habe man kein Loch mehr gespürt – trotz so mancher wirtschaftlichen Talsohlen deutschland- und weltweit. Die Firma Klimmer steigerte in dieser Zeit jedes Jahr ihren Umsatz
um bis zu zehn Prozent. „Wir haben erfolgreiche Kunden. Mit diesen wollen wir weiter wachsen“, so der geschäftsführende Gesellschafter. Er ist seit zehn Jahren im Unternehmen und tritt immer tiefer in die Fußstapfen seines Vaters, der mit 67 Jahren noch tätig ist. „In vielen Bereichen vollzieht sich
der Generationswechsel“, sagt Torsten Klimmer, der den Betrieb mittelfristig komplett übernehmen soll.
Im Landkreis gibt es immer noch Menschen, die mit Klimmer Wintersport verbinden. Doch längst werden hier keine Langlaufbindungen oder Skistopper mehr hergestellt, stattdessen Flansche für Abgasanlagen und Rollengehäuse von Einkaufswagen. Flansche sind die Trennstücke zwischen der Ab-gasanlage und dem Motor eines Automobils. Seit zehn Jahren sind die Burgauer Direktlieferant von Daimler weltweit. Mit zu den größten Kunden zählt auch die VW-Gruppe.
Die Ernst Klimmer GmbH entwickelt und baut auf der Basis der Kundendaten im eigenen Werkzeugbau sowohl Stanz-, Schnitt- und Ziehwerkzeuge als auch komplizierte Folgewerkzeuge.
„Viele Sachen werden vollautomatisch gefertigt. Da sind 3.000 Teile in der Stunde schon drin“, versichert der Unternehmer. Produziert wird im Zwei-Schicht-Betrieb von 6 bis 22.30 Uhr.
Im täglichen Leben finde man fast überall Klimmer-Produkte – kleine, versteckte, wichtige Bauteile. „Sie sind aber alle nur etwa so groß“, sagt Torsten Klimmer und deutet mit seinen Händen einen Abstand von rund einem halben Meter an. Die kleineren Frachtteile hätten Vorteile beim Transport.
Um neue Entwicklungen –insbesondere in der Automobilfertigung– flexibel umsetzen und den Kunden
die gewünschte Kapazitäten rechtzeitig bereitstellen zu können, investiert das mittelständische und inhabergeführte Unternehmen ständig
in den Maschinenpark. Inzwischen stehen in den Produktionshallen Pressen bis zu 1.000 to Druckkraft. Damit lassen sich Bleche bis zu 16 mm Stärke verarbeiten. „Bei dicken Blechen haben wir ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland“, so Klimmer.
Ein weiterer großer Kunde von Klimmer ist die Firma Wanzl. „Wir fertigen unter anderem die Rollengehäuse für die Ein-kaufswagen. Das sind fünf Millionen Stück pro Jahr“, berichtet der 38-Jährige. Es sei gut, nicht
nur von der Automobil-branche abhängig zu sein. Mit den Kunden bestünden Mehrjahresverträge mit Laufzeiten von 6 bis 7 Jahren.
Klimmer: „Wir rechnen mit der Kapazität, die der Kunde uns angibt.“
CNC-gesteuerte Bearbeitungszentren ergänzen den modernen Maschinenpark. Hier ist Herr Josef Rößle
als Konstruktions-leiter tätig. Er war der erste Lehrling von Firmengründer Ernst Klimmer. „Langjährige Mitarbeiter sind
uns wichtig; sie
sind eine wichtige Säule des Unternehmens.“
Die Kunden wollten zwar möglichst nur einen Ansprechpartner haben. Doch der müsse zuverlässig sein und Top-Qualität liefern. Klimmer: „Null Fehler heißt die Prämisse.“ Deshalb werde immer mehr in vorbeugende Qualitätssicherung investiert.
In den vergangenen 6 Jahren wurden die Produktionsflächen kontinuierlich erweitert. Nächstes Jahr will
das Unternehmen sein Bürogebäude aufstocken. Ein Bauantrag ist in Vorbereitung. Außerdem seien vor
2 Jahren weitere Grundstücke in der Nachbarschaft gekauft worden, die eine Erweiterung langfristig
möglich machen, informiert der Firmenchef. Klimmer kann also weiter wachsen – aber nicht um jeden
Preis. „Unsere Bremse ist nicht die Auftragslage, sondern die ausreichende Zahl
an Fachpersonal.“ Da
die Werkzeuge und Maschinen immer komplizierter und die Qualitätsansprüche immer größer wür-den, werden geeignete Mitarbeiter benötigt. Doch die wachsen nicht auf den Bäumen – trotz verstärkter Ausbildungs-bemühungen bei der Firma Klimmer.
Ernst Klimmer GmbH Burgau
- Standort: Ostpreußenstr. 8 in Burgau.
- Gründung: Ernst Klimmer hat das Unternehmen mit 7 Beschäftigten in kleinsten Anfängen am 1. August 1969
im Stockerweg gegründet. Dabei handelte es sich um die Werkzeugmacherei der Firma Günl. - Produkte: Anfangs wurden Musterteile hergestellt, dann wurde Blechumformung betrieben. Ende
der 70er Jahre konzentrierte sich Klimmer fast ausschließlich auf den Bereich Wintersport (Lang
laufbindungen, Skistopper, etc.). Als dieser Markt in den Jahren 1980-1982 zusammenbrach, orientierte sich das Burgauer Unternehmen um und
fand neue Kunden in der Automobilindustrie. Heute ist die Firma Klimmer führend in der deutschen Stanz- und Umformtechnik – ob im Prototypenbau, bei der Serienfertigung oder für komplette Baugruppen.
Aktuell sind es rund 3.000 verschiedene Produkte, die Klimmer anbietet – von dick bis dünn, von kompliziert bis einfach.
Es sind aber keine eigenen Produkte, sondern die Teile werden nach den Wünschen der Kunden entwickelt und gebaut. Geliefert wird nach Sindelfingen (Daimler) und Leipheim (Wanzl), aber auch in Werke weltweit, so nach Südafrika, Argen-tinien und in die USA.
- Kunden: 75 % Automobilzulieferer wie Daimler und die VW-Gruppe. Zweitgrößter Kunde ist die Leipheimer Firma Wanzl.
- Rohstoffe: jährlich werden rund 26.000 to Stahl, Edelstahl und hochfeste Bleche, aber auch Aluminium verarbeitet.
- Mitarbeiter: rund 300
- Umsatz 2006: knapp unter 60 Mio €.
- Geschäftsführer: Vater Ernst Klimmer (67) und Sohn Torsten Klimmer (38) leiten das Unternehmen; beide sind auch Gesellschafter.
Günzburger Zeitung / Herr Georg Schalk / 26.09.07

